Dämmung aus Mineralwolle: Stabil, belastbar und beständig

Egal ob Neubau oder Sanierung – die Frage nach dem richtigen Dämmstoff ist nicht so einfach geklärt. In den letzten Jahren ist zusätzlich der Ökofaktor bei der Materialauswahl zu einem bedeutenden Kriterium geworden. Kann eine Dämmung aus Mineralwolle hier punkten und welche anderen Vorteile bietet sie dem Bauherren?

Um das zu klären, haben wir mit Dr. Thomas Tenzler gesprochen. Er ist Geschäftsführer des FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e.V. (Deutschland) und kennt den Dämmstoff wie kaum ein anderer.

Mineralwolle ist ein bekannter Dämmstoff und Überbegriff für Glas- und Steinwolle. Wodurch unterscheiden sich Glas- und Steinwolle und nach welchen Kriterien sollte der angehende Bauherr die Entscheidung treffen?

Glaswolle und Steinwolle unterscheiden sich einerseits durch die zu ihrer Herstellung verwendeten natürlichen Rohstoffe. Während bei Glaswolle bis zu 80 Prozent Altglas sowie z.B. Sand, Soda und Dolomit verwendet werden, wird Steinwolle hauptsächlich aus Steinen wie Diabas, Basalt oder Kalkstein hergestellt. Neben diesen mineralischen Rohstoffen enthalten Dämmstoffe aus Steinwolle bis zu 30 Prozent Recyclingmaterial aus recycelter Steinwolle und Sekundärrohstoffen.

Mineralwolle
Mineralwolle ist ein optimaler Dämmstoff für eine optimale Wärmedämmung.

Auch die Technologien für die Herstellung von Glas- und Steinwolle unterscheiden sich. Steinwolle wird üblicherweise im Kupolofen geschmolzen und die Fasern werden mittels Schleuderverfahren produziert. Alternativ erfolgt die Herstellung von Steinwolle im Düsenblasverfahren. Hier fließt die Glasschmelze nach Durchlaufen des Schmelzofens durch eine Vielzahl von Düsen und wird durch Heißluft ausgezogen. Glaswolle wird dagegen in Glasschmelzwannen geschmolzen und die Fasern werden im sog. Zieh-Blasverfahren hergestellt.

Glas- oder Steinwolle? So treffen Sie die richtige Wahl

Für Hausbesitzer ist Mineralwolle aus verschiedenen Gründen der richtige Dämmstoff. Dazu gehört der Kälte- und Hitzeschutz wie auch der Schall- und Brandschutz, den sowohl Glas- als auch Steinwolle bieten. Für welchen Dämmstoff sich Bauherren entscheiden, hängt teilweise auch vom Einsatzgebiet ab: Glaswolle ist elastisch, flexibel und aufgrund ihrer niedrigen Rohdichte relativ leicht. Sie schmiegt sich lückenlos in jede Form. Zum Beispiel zwischen und auf Dachsparren oder Wände und nicht begehbare Geschossdecken.

Steinwolle zeichnet sich für die gleiche Anwendung durch eine höhere Stabilität und Druckfestigkeit aus, die sie im Allgemeinen durch eine höhere Rohdichte erreicht. Deshalb kommen Produkte aus Steinwolle vorrangig, jedoch nicht ausschließlich, bei Anwendungen zum Einsatz, bei denen unter anderem eine erhöhte Druckfestigkeit gefordert ist (z.B. WDVS oder Flachdach).

Mineralwolle: Flexibel, nichtbrennbar und gut für das Raumklima

Welchen Vorteil bietet Mineralwolle gegenüber anderen Dämmstoffen? 

Mineralwolle vereint als einziger Dämmstoff hervorragende Wärme-, Schallschutz- sowie Brandschutzeigenschaften in einem Produkt. Eine Dämmung aus Mineralwolle bedeutet umweltbewusstes und sicheres Wohnen. Sie steigert den Immobilienwert und ermöglicht ganzjährig ein optimales Raumklima.

Ein weiterer Pluspunkt sind die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Mineralwolle. Ob bei der Dachdämmung oder der Dämmung von Wänden (WDVS, hinterlüftete Fassade oder Gefachdämmung von Holzständerwänden), Decken, obersten Geschossdecken, Fußböden, Heizungs- und Warmwasserrohren. Der Anwendung von Mineralwolle sind kaum Grenzen gesetzt.

Mineralwolle
Mineralwolle ist ein optimaler Dämmstoff für eine optimale Wärmedämmung.

Mineralwolle leistet vom ersten Tag an eine sehr gute Dämmung bei geringen Wärmeleitfähigkeiten (0,030-0,042 W/(mK)). Auch Lärm beruhigt Mineralwolle. Sie sorgt damit nicht nur für einen hohen Wohlfühlfaktor, sondern trägt auch zur Gesundheit bei. Wer in einem mit Mineralwolle gedämmten Haus wohnt, lebt außerdem sicherer: Mineralwolle ist ein nichtbrennbarer Dämmstoff, der mit der Einstufung in die höchste Euroklasse A1 nach DIN EN 13501-1 entscheidend zum vorbeugenden Brandschutz beiträgt.

Das liegt an der besonderen Zusammensetzung aus natürlichen, nichtbrennbaren Rohstoffen. Im Brandfall hemmen Bauteile mit Mineralwolle die Ausbreitung der Flammen und verhindern, dass diese auf benachbarte Gebäude oder Stockwerke in Dach, Wänden und Decken übergreifen. Mineralwolle hilft also im Notfall, Leben und Eigentum zu retten.

Beim Kauf auf Gütesiegel achten

Welche Punkte sind beim Kauf von Mineralwolle zu beachten?

Mineralwolle ist gleich mehrfach zertifiziert und mit verschiedenen Gütezeichen ausgezeichnet. Hierzu gehören das Umweltzertifikat „Blauer Engel“, das Eurofins-Zertifikat „Indoor Air Comfort Gold“, das EUCEB-Zertifikat sowie insbesondere das Qualitätszeichen KEYMARK und das RAL-Gütezeichen. Letzteres bescheinigt, dass die in Deutschland produzierten und vertriebenen Dämmstoffe aus Mineralwolle strenge gesetzliche Vorgaben in puncto Gesundheitsschutz sowie Arbeitssicherheit einhalten und damit gesundheitlich unbedenklich sind.

Nur wenn Produkte die europäischen wie auch die deutschen Freizeichnungskriterien erfüllen, dürfen sie überhaupt in Deutschland verwendet werden. Dämmstoffe aus Mineralwolle, die diese Freizeichnungskriterien erfüllen, tragen das RAL Gütezeichen „Erzeugnisse aus Mineralwolle“. Die Gütezeichen finden Sie übrigens auch auf der Produktverpackung. So lassen sich hochwertige und sichere Produkte aus Mineralwolle auf einen Blick erkennen.

So wird Mineralwolle verarbeitet

Worauf sollte bei der Verarbeitung von Mineralwolle geachtet werden?

Eine Dämmung mit Glas- oder Steinwolle ist von der Handhabung her einfach, da sie sich gleichermaßen von Fachleuten wie auch von Heimwerkern problemlos verarbeiten lässt. Die in Deutschland erhältlichen Mineralwolldämmstoffe aus Glas- und Steinwolle sind regelmäßig geprüfte, hochwertige Produkte. Sie sind sowohl bei ihrer Verarbeitung als auch im eingebauten Zustand gesundheitlich unbedenklich und tragen deshalb die verschiedenen Gütezeichen.

Beim Schneiden und Trennen von Mineralwolle ist es unvermeidlich, dass ein gewisser Anteil an Staub entsteht. Eine gesundheitliche Gefahr besteht aber auch hier nicht. Dennoch sollten Sie die von den Herstellern empfohlenen Mindestschutzmaßnahmen – siehe Packung – einhalten. Dazu gehört beispielsweise das Tragen von Arbeitshandschuhen und geschlossener Arbeitskleidung. Das gilt im Übrigen für den Umgang mit allen Baustoffen.

Ist Mineralwolle nachhaltig und ökologisch?

Wie ist es um den Ökofaktor von Mineralwolle bestellt und wie beständig ist dieser Dämmstoff?

Mineralwolle verzeichnet eine positive Ökobilanz, die sie nicht nur bei der Dämmung selbst, sondern bereits bei ihrer Herstellung erreicht. Um die Umwelt zu schützen, setzen die Hersteller von Glas- und Steinwolle natürliche Ressourcen äußerst sparsam ein, verwenden Recyclingmaterialien und arbeiten praktisch abfallfrei. Und: Mineralwolle ist ein regionales Produkt. Unsere Rohstoffe stammen hauptsächlich aus Deutschland und Mitteleuropa. Das ermöglicht kurze, umweltschonende Transportwege sowohl für die Anlieferung der Rohstoffe wie auch die fertigen Dämmprodukte.

Dämmstoffe aus Mineralwolle helfen, den Energieverbrauch des Gebäudes dauerhaft niedrig zu halten. Die Lebensdauer einer Dämmung aus Stein- oder Glaswolle entspricht der des Bauteils, in das sie eingebaut ist. Das können – bei fachgerechtem Einbau – problemlos 50 Jahre und länger sein. Dies verdankt Mineralwolle ihrer stabilen Struktur aus den Fasern mineralischer Rohstoffe wie Naturstein, Glas und anderen Mineralien. Diese bleiben beständig und verändern sich auch mit der Zeit weder durch Hitze oder Kälte.

Die Dämmwirkung erzielen Glas- und Steinwolle, weil sie durch ihre offenporige Struktur Luft einschließen, die den Wärmedurchgang von der Innen- oder Außenseite eines Bauteils wirkungsvoll verringert. Und: Da Luft ihre dämmende Wirkung immer behält, bleibt dieser Effekt auf Dauer erhalten. Bauprodukte aus Mineralwolle bieten damit über lange Zeit hohe Stabilität, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit. Gut zu wissen ist auch, dass während der Nutzung von Mineralwolle weder eine Wartung, Instandhaltung, Reparatur noch ein Ersatz nötig werden.

Gibt es Förderungen für Mineralwolle?

Seit Anfang 2020 gibt es noch bessere Fördermöglichkeiten für energetische Sanierungsmaßnahmen, u.a. die Dämmung…

Genau. Die Konditionen der Förderung sowohl von Einzelmaßnahmen, wie beispielsweise die Dämmung von Dächern, Wänden und Decken, als auch größeren Sanierungsarbeiten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurden deutlich verbessert. Das bedeutet konkret: Wer umfangreicher – nämlich bis zum KfW-Effizienzhaus (KfW-Denkmal, 115, 100, 85, 70, 55) – saniert, dem winken jetzt Fördergelder bis zu 48.000 Euro.

Hausbesitzer, die einzelne energetische Sanierungsmaßnahmen umsetzen, profitieren seit diesem Jahr von einer Verdopplung der Förderung und erhalten pro Dämmmaßnahme einen Zuschuss von bis zu 10.000 Euro (das entspricht 20 Prozent der Investitionssumme und insgesamt 40.000 Euro). Sanieren und dämmen mit Mineralwolle lohnt sich jetzt also mehr denn je. Aber aufgepasst: Damit sie kein Geld verschenken, sollten Eigentümer nicht auf eigene Faust tätig werden und unbedingt einen Energieeffizienz-Experten vor Beginn der geplanten Maßnahme einschalten. Nur dann bekommt man auch die KfW-Gelder.

Ein alternativer Weg, um Fördergelder für kleinere Sanierungs- bzw. Dämmarbeiten vom Dach bis zum Keller zu erhalten, führt über die jährliche Steuererklärung. Hausbesitzer, die sich bei der Durchführung von energetischen Einzelmaßnahmen für eine Dämmung mit Mineralwolle entscheiden, können über einen Zeitraum von drei Jahren 20 Prozent der Modernisierungskosten steuerlich absetzen und so insgesamt bis zu 40.000 Euro sparen. Einzige Voraussetzung: Ein Fachunternehmen muss die ausgeführten Arbeiten im Rahmen einer Fachunternehmererklärung bestätigen, die gemeinsam mit der Einkommenssteuererklärung eingereicht wird.

Weitere Informationen zu Eigenschaften und Verarbeitung sowie nützliche Praxis-Tipps finden Sie auch auf www.der-daemmstoff.de.

Mehr Informationen zum „FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e.V.“ gibt es hier:



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