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Expertengespräch: Tipps und Preise für die PV-Anlage im Eigenheim

Im Gespräch mit bauenundsanieren.net: Frau Vera Immitzer vom “Bundesverband Photovoltaic Austria”
Im Gespräch mit bauenundsanieren.net: Frau Vera Immitzer vom “Bundesverband Photovoltaic Austria”

Die Bekanntheit und das Interesse von Eigenheimbesitzern an Photovoltaik-Anlagen hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Ebenso zugenommen hat die Anzahl an Herstellern und Anbietern am Markt. Für Häuslbauer, die an der Anschaffung einer PV-Anlage für ihr Eigenheim interessiert sind, ist es also nicht einfach, sich einen Überblick zu verschaffen.

Wir haben deshalb mit Frau Vera Immitzer vom “Bundesverband Photovoltaic Austria” gesprochen, warum es teilweise so kompliziert ist und wie man sich zwischen all den Anbietern und Fördermöglichkeiten zurechtfinden kann.

Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Photovoltaik und Stromspeicherung zur Marktreife zu führen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der letzten fünf Jahre? Was bringt die Zukunft in Österreich?

Immitzer: „In Österreich hat sich die Photovoltaik in den vergangenen Jahren auf einem konstanten, aber viel zu niedrigen Niveau entwickelt. Jährlich wurden rund 170 Megawatt zugebaut. Das vergangene Jahr war aber erfreulich, da der jährliche Zubau um knapp 33 Prozent gehoben wurde. Zusätzliche Fördermittel waren hierfür ausschlaggebend. Das ist aber, im Vergleich zu dem Ziel, das wir in den nächsten zehn Jahren erreichen müssen, noch immer viel zu wenig.

Hierfür muss der bisherige jährliche Zubau versechsfacht werden. In Österreich wird aktuell das neue Gesetz, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), begutachtet. Es wird die Rahmenbedingungen grundlegend adaptieren und für den Ausbau einen ordentlichen Schwung bringen. Es enthält zudem auch neue Regelegungen im Fördersystem. Ziel ist es, einen breiten Anlagenmix in Österreich zu bekommen, der alle Konzepte und Anwendungsmöglichkeiten der Photovoltaik abdeckt.

Im internationale Vergleich ist Österreich erst in den Kinderschuhen der Sonnenstromnutzung. Allerdings erleben wir aktuell einen enormen Zuspruch zu dieser Technologie und wir sind zuversichtlich, dass sich Österreich, sofern dem Ausbau keine Steine mehr in den Weg gelegt werden, im internationalen Vergleich bis 2030 nicht mehr verstecken muss.

Hersteller für die PV-Anlage im Eigenheim

Nach welchen Kriterien sollte ein Hersteller ausgewählt werden und gibt es in Österreich bereits Erfahrungswerte mit Herstellern aus China?

Es gibt gute Erfahrungen mit Herstellern aus Österreich und Europa aber auch weltweit. Hierzu gibt es Leistungsgarantien die jeder Modulproduzent, aber auch Wechselrichterproduzent einhalten muss. Wichtig ist es, Produkte von Firmen zu wählen, die eine Niederlassung in Europa haben. So hat man im Fall eines Schadens oder einer Reklamation, einen Ansprechpartner in Europa.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Österreich ist bekannt für seine zahlreichen Förderungen. Welche Herangehensweise empfehlen Sie den Konsumenten, um die Fördermöglichkeiten optimal nutzen zu können?

Wichtig ist, die PV-Anlage gut zu planen und den passenden Anlagenerrichter zu finden. Den Weg zum nächstgelegenen Anlagenerrichter erleichtert unsere online Profi-Suche, bei der durch Eingabe Ihrer Postleitzahl der nächstgelegene Errichter angezeigt wird. Ist die Anlage fertig geplant und die eventuell benötigte Bauanzeige oder sonstige Genehmigungen vorhanden, kann das Projekt zur Förderung eingereicht werden.

Vor allem für den privaten Bereich hat sich die Förderung des Klima- und Energiefonds als äußerst handhabbar erwiesen, da sie für Projekte österreichweit zur Verfügung steht. In wenigen Schritten kann man die Förderung beantragen, die danach innerhalb von 12 Wochen zu errichten ist. Gefördert werden die ersten 5 Kilowattpeak mit 250 Euro/Kilowattpeak. Alternativ gibt es Förderungen der Bundesländer. Eine Übersicht der verfügbaren Förderungen haben wir zusammengestellt www.pvaustria.at zusammengestellt. Doppelförderungen sind nicht möglich.

Was kostet eine PV-Anlage für das Eigenheim?

Die wahrscheinlich am häufigsten gestellte Frage betrifft die Kosten. Diese sind natürlich von zahlreichen Faktoren abhängig. Welche Leistung empfehlen Sie für ein Einfamilienhaus und mit welcher Preisspanne muss der Häuslebauer rechnen?

Um eine möglichst kosteneffiziente Anlage zu erhalten, ist es wichtig, dass die Anlage optimal auf den Stromverbrauch des Hauses abgestimmt ist. Je nachdem können die Anlagenleistungen zwischen 3 und 8 Kilowattpeak schwanken. Damit können jährlich zwischen 3.000 und 8.000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Zur einfacheren Planung stellen wir auf unserer Webseite den „Sonnenklar-Rechner“ zur Verfügung, der Endkunden bei der Planung der PV-Anlage unterstützt. Je nachdem beläuft sich die Investition in die PV-Anlage auf 6.000 bis 13.000 Euro, Förderung noch nicht abgezogen!

Ein Teil der Anschaffungskosten wird durch Förderungen von Bund und Länder abgefedert.
Ein Teil der Anschaffungskosten wird durch Förderungen von Bund und Länder abgefedert.

Gerne wird auch nach der Amortisationszeit gefragt. Welche Tipps und Erfahrungswerte können Sie den Konsumenten hier mitgeben?

Das oberste Ziel beim Betrieb der PV-Anlage ist, möglichst viel des erzeugten Sonnenstroms auch selbst zu nutzen, denn dann amortisiert sich die Anlage am schnellsten. Die selbstproduzierte kWh kostet im Schnitt zwischen 6 und 8 Cent, die kWh aus dem Netz um die 20 Cent.

Möglichkeiten, den Eigenverbrauch anzuheben reichen von einfachen Maßnahmen wie der Nutzung von Haushaltsgeräten während den Sonnenstunden, der Forcierung bzw. Umstellung der Heizung bzw. Warmwasserversorgung auf Strom (bspw. über einen gesteuerten Heizstab, Wärmepumpe oder Infrarotheizung) bis hin zur Installation eines Stromspeichers oder der Umstieg auf E-Mobilität. Der nicht genutzt Strom wird in das Stromnetz eingespeist und an den Energieversorger verkauft.

Wie wird die Energie der PV-Anlage für das Eigenheim gespeichert?

Derzeit liegt das Problem bei der Speicherung der elektrischen Energie. Gibt es hier vielversprechende neue Technologien und wann kann der Konsument damit rechnen?

Der erzeugte Sonnenstrom kann auf vielfältige Art und Weise gespeichert werden. Am einfachsten Strom zu speichern ist in Form von Wärme, also in Form von warmen Wasser oder für die Heizung. Mittels Heizstab kann beispielsweise die Sonnenenergie sehr günstig direkt in Wärme gewandelt und damit gespeichert werden. Aber auch eine Batterie ermöglicht es, den Strom zu speichern. Für die Nächte oder Tage mit weniger Sonnenstrahlen. Hier gibt es bereits erprobte Standard-Lösungen für unterschiedlichste Speichertechnologien, in den passenden Größen. Dem Konsumenten stehen somit alle nötigen Technologien bereits zur Verfügung.

Teilweise herrscht Verunsicherung, was die Besteuerung von zurückgespeistem Strom betrifft und die Abnahmepflicht durch Energieversorgungsunternehmen. Gibt es hier Rechtssicherheit und womit müssen die Konsumenten in Zukunft rechnen?

Vor allem im privaten Bereich gibt es keinen Grund zur Sorge. Rückgespeister Strom ist hier nicht gesondert steuerlich zu behandeln, im Gegenzug zu Unternehmen, die unter andere steuerrechtliche Bestimmungen fallen. Hierzu zählt beispielsweise ein Steuervorteil beim Kauf der Anlage.

Es ist richtig, dass nicht jeder Energieversorger den zurückgespeisten Sonnenstrom abnimmt. Vor allem günstige Energieversorger nehmen den Strom nicht ab. Dann kann entweder der Stromanbieter gewechselt werden oder der Strom wird an die OeMAG(Ökostrom-Abwicklungsstelle) verkauft. Diese nimmt den Strom immer ab. Ein Vertrag mit der OeMAG regelt dann die Abnahme und die Vergütung. Energieversorger bieten zudem unterschiedliche Tarifmodelle für den produzierten Sonnenstrom.

Mehr Infos zum Bundesverband PHOTOVOLTAIC AUSTRIA erhalten Sie hier:



 

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